St. Laurent - der edle Elternteil des Zweigelt
588 Hektar, Burgunder-Familie, genetischer Elternteil von Zweigelt: Was den St. Laurent zu einer der elegantesten und langsam…
Die österreichische Burgunder-Rebsorte
St. Laurent zählt zu den edelsten österreichischen Rotsorten. Genetisch gehört er zur Burgunder-Familie - er gilt als natürlicher Burgunder-Sämling (Pinot St. Laurent) und ist damit eng mit Pinot Noir verwandt. Der Name bezieht sich auf den Feiertag des Heiligen Laurentius am 10. August, an dem die Beeren typischerweise beginnen, ihre Farbe zu ändern (der sogenannte Farbumschlag).
Die historische Bedeutung ist ungewöhnlich: St. Laurent ist einer der beiden Elternteile des Zweigelt - zusammen mit Blaufränkisch. Ohne St. Laurent also kein Zweigelt, die meistangebaute rote Sorte Österreichs. Trotzdem blieb die Muttersorte selbst lange im Schatten.
Wie viel St. Laurent wächst
Die Österreich Wein Marketing nennt 587,75 Hektar Anbaufläche (1,3 Prozent der Gesamtrebfläche). Falstaff bewertet Thermenregion-St.-Laurent von Johanneshof Reinisch regelmässig unter den Top-Rotweinen Österreichs. Seit 1999 wächst die Anbaufläche kontinuierlich - nach Jahrzehnten des Vernachlässigtseins erlebt die Sorte eine Renaissance.
Die Hauptanbaugebiete:
| Region | Stil |
|---|---|
| Thermenregion (Niederösterreich) | Historisches Hauptgebiet, klassische Stilistik |
| Nördliches Burgenland (Neusiedlersee) | Kräftiger, fruchtbetonter |
| Mittelburgenland | Kleinere Anteile, meist als Cuvée |
| Wien (Mauer, Grinzing) | Im Gemischten Satz und reinsortig |
Die Thermenregion um Gumpoldskirchen, Tattendorf und Traiskirchen ist das traditionelle St.-Laurent-Gebiet. Hier wird die Sorte seit dem 19. Jahrhundert kultiviert. Stift Klosterneuburg hat historisch eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der Sorte gespielt. Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft führt St. Laurent als anerkannte Qualitätsrebsorte.
Warum St. Laurent anspruchsvoll ist
Die Sorte ist zwar qualitativ grossartig, aber im Anbau heikel. Die Probleme im Weingarten:
- Spätfrost-empfindlich - frühe Triebe können zerstört werden
- Unregelmässige Erträge - manche Jahre fast Totalausfall
- Hohe Bodenansprüche - braucht gute, tiefgründige Böden
- Empfindliche Blüte - Fehlblühen und Verrieselung kommen vor
Diese Schwierigkeiten erklären, warum St. Laurent trotz seiner Qualität nie so verbreitet wurde wie der robustere Zweigelt.
Wie St. Laurent schmeckt
St. Laurent produziert „dunkle, kraftvolle und fruchtige Rotweine mit Sauerkirschen-Aromatik". Das ist die offizielle Beschreibung - im Detail bedeutet das:
Klassische Aromen:
- Sauerkirsche (prägendstes Merkmal)
- Dunkle Waldbeeren, Brombeere
- Leichte Würze, Lorbeer
- Bei Reife: Pflaume, Leder, feine Holznoten
Struktur: Moderate bis präsente Tannine (feiner als Blaufränkisch, strukturreicher als Pinot Noir), mittlere bis hohe Säure, mittlerer Körper. Alkohol meist 13-14 Prozent.
Das Farbbild ist dunkles Rubinrot, oft tiefer als Pinot Noir aber weniger dunkel als Zweigelt oder Blaufränkisch.
Stilistisch liegt St. Laurent zwischen Pinot Noir (fein, elegant) und Blaufränkisch (kraftvoll, strukturell). Diese „dritte Position" macht ihn zum spannenden Spezialisten für Trinker, die beide Welten kennenlernen wollen.
Was zum St. Laurent passt
Klassisch gut:
- Kalbsbraten, Kalbsmedaillons
- Ente, Gans mit Fruchtsaucen
- Helles Lamm (Karree, Filet)
- Wild mit milderen Saucen (Reh, Wildschwein in Fruchtsauce)
- Gereifte Hartkäse
- Pilzgerichte (Steinpilz, Eierschwammerl)
Funktioniert weniger gut:
- Sehr kräftige Schmorgerichte (Blaufränkisch besser)
- Fisch (zu dominant)
Trinktemperatur: 16-17 Grad.
Referenzbetriebe
In der Thermenregion: Johanneshof Reinisch, Aumann, Alphart. Am Neusiedlersee: Umathum (dessen St. Laurent zu den Spitzenreferenzen zählt), Paul Achs, Juris. In Wien: Wieninger mit St. Laurent im Gemischten Satz und reinsortig.
Die Preise bewegen sich meist zwischen 18 und 40 Euro für Qualitätsweine, Spitzen-Einzellagen auch 50-70 Euro.
FAQ
Warum heisst er St. Laurent?
Nach dem Heiligen Laurentius (10. August), an dessen Feiertag die Beeren traditionell den Farbumschlag (Véraison) beginnen - das Reifen wird dabei sichtbar.
Wie lange kann man St. Laurent lagern?
Einfache Qualitäten 4-6 Jahre. Qualitätsweine 6-10 Jahre. Spitzen-Einzellagen aus Thermenregion oder Neusiedlersee 10-15 Jahre. Ähnlich wie Pinot Noir - nicht extremer Keller-Kandidat, aber solide.
Ist St. Laurent mit Pinot Noir verwandt?
Ja, eng. St. Laurent ist ein natürlicher Sämling aus der Burgunder-Familie. Genetisch sehr nahe an Pinot Noir, stilistisch etwas kräftiger und säurebetonter.
Warum ist St. Laurent so selten?
Weil die Sorte im Anbau anspruchsvoll ist: spätfrostempfindlich, unregelmässige Erträge, hohe Bodenansprüche. Viele Winzer haben historisch auf den robusteren Zweigelt (St. Laurents „Kind") umgestellt.
Wer ist Referenz für St. Laurent?
Johanneshof Reinisch (Thermenregion) und Umathum (Neusiedlersee) gelten als die beiden wichtigsten St.-Laurent-Produzenten Österreichs. Ihre reinsortigen Versionen sind in internationalen Verkostungen regelmäßig auf Top-Niveau.
Welcher St. Laurent für Einsteiger?
Ein Thermenregion-St.-Laurent oder ein Neusiedlersee-Klassik in der Preisklasse 18-25 Euro. Hier bekommen Sie sortentypischen Wein ohne die Preishöhen der Spitzen-Einzellagen.
Was ist der Unterschied zwischen St. Laurent und Pinot Noir?
St. Laurent ist kräftiger, säurebetonter, tanninreicher als Pinot Noir. Die Aromatik tendiert mehr zur Sauerkirsche, während Pinot mehr Himbeere und Erdbeere zeigt. Im Glas ist St. Laurent dunkler und struktureller.
St. Laurent als Zweigelt-Elternteil
Eine bemerkenswerte genetische Tatsache: St. Laurent ist ein Elternteil des Zweigelt. Fritz Zweigelt kreuzte 1922 St. Laurent mit Blaufränkisch - das Ergebnis war die spätere Leitsorte Zweigelt.
Warum hat die „Tochter" Zweigelt kommerziell die „Mutter" St. Laurent überholt?
- Ertrag: Zweigelt bringt deutlich höhere Erträge
- Anbaueigenschaften: Weniger frostempfindlich, anspruchsloser
- Aromatik: Klarer und zugänglicher
- Vermarktung: Einprägsamer Name
Zweigelt wurde zur meistangebauten roten Sorte Österreichs (5.940 ha), St. Laurent blieb mit 588 ha in der Nische. Das zeigt: Im Weinbau entscheiden oft pragmatische Faktoren (Ertrag, Anbau-Freundlichkeit) stärker als Qualität.
Der Pinot-Familien-Kontext
Als Burgunder-Sämling gehört St. Laurent zur grossen Pinot-Familie. Genetische Nachbarn:
| Sorte | Verwandtschaft zu St. Laurent |
|---|---|
| Pinot Noir (Blauburgunder) | Nahe verwandt (gleiche Familie) |
| Zweigelt | Kind (mit Blaufränkisch als Partner) |
| Pinot Gris (Grauburgunder) | Familien-Angehöriger |
| Pinot Blanc (Weissburgunder) | Familien-Angehöriger |
Diese Familie teilt typische Eigenschaften: elegante, oft säurebetonte Stilistik, Premium-Potential, gutes Lagerpotential bei Qualitätsweinen.
Die St. Laurent-Renaissance
Zwischen 1999 und 2020 ist die St. Laurent-Anbaufläche in Österreich kontinuierlich gewachsen - entgegen dem Trend vieler anderer Nischensorten. Gründe:
1. Qualitätsfokus. Der österreichische Rotwein-Markt differenziert sich zunehmend. Einfache Zweigelt-Weine verlieren Anteile, qualitative Alternativen wie St. Laurent gewinnen.
2. Pinot-Erbe. Die Verwandtschaft zum Pinot Noir macht St. Laurent für burgundisch orientierte Winzer attraktiv.
3. Autochthone Identität. In Zeiten internationaler Sortenkonvergenz bietet St. Laurent eine österreichische Alternative zum Pinot Noir.
4. Renomierte Betriebe. Umathum, Reinisch, Paul Achs haben die Sorte auf internationales Niveau gehoben.
Die St. Laurent-Zukunft sieht positiver aus als die vieler anderer Nischensorten.
FAQ Erweitert
Warum ist Johanneshof Reinisch für St. Laurent so wichtig?
Das Weingut in Tattendorf produziert seit Jahrzehnten Premium-St. Laurent. Der Reinisch-St. Laurent gilt als Referenz für die Sorte in der Thermenregion und hat mehrfach höchste Falstaff-Bewertungen erreicht.
Gibt es St. Laurent-Rosé?
Ja, aber selten. Einige Betriebe produzieren aus St. Laurent einen rosé-Wein, der aromatisch dezent ist. Die meisten St. Laurent-Weine werden aber als vollreife Rotweine ausgebaut.
Wie passt St. Laurent zu Wiener Küche?
Besser als Cabernet Sauvignon, aber weniger klassisch als Blaufränkisch. Zu Kalbsbraten oder Backhendl funktioniert St. Laurent, zu klassischem Tafelspitz ist er fast zu elegant.
Welcher St. Laurent-Jahrgang war besonders?
2015 (klassisch-gut), 2019 (warm-reif), 2021 (kühl-strukturell), 2023 (sehr gut bewertet). Die Jahrgänge-Variabilität ist bei St. Laurent aussergewöhnlich wichtig, weil die Sorte klimaempfindlich ist.


