Weingut Leo Hillinger - das Aushängeschild aus Jois am Neusiedlersee
Seit 2010 Bio-zertifiziert, Falstaff-Drei-Sterne-Betrieb, 20 Hektar Spitzenlagen in Rust und das 2004 errichtete Architekturmuseum mit…
Vom Familienbetrieb zur Marke
Leo Hillinger übernahm den elterlichen Kleinbetrieb in Jois am Nordwestufer des Neusiedlersees in den 1990er-Jahren und hat ihn seitdem in eine der bekanntesten österreichischen Weinmarken verwandelt. Die Weingut-Website dokumentiert die aktuelle Kollektion. Der Weg dorthin ist ungewöhnlich: Nicht der klassische Qualitätsfokus allein hat Hillinger zur Marke gemacht, sondern die konsequente Verbindung aus Qualitätswein, markanter Architektur und Lifestyle-Inszenierung.
Standort: Hill 1, 7093 Jois - die Adresse ist selbst schon Statement. Der 2004 errichtete Neubau ist zu einer Landmarke der Region geworden. Die „HILL Lounge" empfängt Besucher täglich von 10 bis 18 Uhr mit Verkostung, Seminaren und Gastronomie.
Hillinger ist heute auch über die Weinwelt hinaus bekannt - TV-Auftritte als Investor bei „2 Minuten 2 Millionen" haben seinen Bekanntheitsgrad deutlich erweitert. 2024 hat Leo Hillinger die österreichische Satire-Publikation „Die Tagespresse" erworben, die seine Tochter Vivienne als Chefredakteurin übernommen hat. Das ist ein Schritt, der das Profil der Familie weit über den Wein hinaus ausdehnt.
Die Architektur - warum das Weingut ein Museum sein könnte
Die 2004 errichtete Produktions- und Besucheranlage ist in Österreich ein Referenzprojekt für moderne Weinarchitektur. Entworfen vom Wiener Architekturbüro Gerner Gerner Plus, verbindet das Gebäude landschaftsschonende Bauweise mit spektakulärer Inszenierung.
Die Kerngedanken:
Unterirdische Bauweise. Der Hauptteil des Weinguts liegt unter der Erde - eingegraben, begrünt, in die Hügellandschaft eingebettet. Das ist landschaftsschonend und nutzt zugleich die klimatischen Vorteile der Erdumhüllung: konstante Temperaturen für die Kellerarbeit, niedriger Energieverbrauch, minimale Sichtbarkeit von aussen.
Auskragender Verkostungsraum. Nur ein Element ragt oberirdisch heraus: die periskopartig auskragende, verglaste Front des Verkostungsraums. Von dort aus blickt man über die Joiser Rebgärten auf den Leithaberg und den Neusiedlersee. Das Panorama ist Teil des Erlebnisses.
Symbiose mit der Landschaft. Die Weinberg-Tradition der Region wird in der Architektur aufgenommen - wie die klassischen Presshäuser und Kellergassen-Erdkeller, nur in moderner Formensprache.
Die Anlage hat mehrere Architekturpreise gewonnen und wird regelmäßig als Beispiel für gelungene moderne Weinarchitektur angeführt - ähnlich wie das Loisium in Langenlois von Steven Holl oder die Bodega Antinori in der Toskana.
Die Lagen - 20 Hektar Spitzenparzellen
Die Falstaff-Drei-Sterne-Bewertung signalisiert die Top-Kategorie des österreichischen Weinbaus. Hillinger hat über die Jahre systematisch die besten Lagen rund um Jois, Rust und Oggau erworben. Rund 20 Hektar liegen in den Spitzenlagen von Rust: Oberer Wald, Gmärk und Pandkräften.
| Lage | Ort | Boden | Spezialität |
|---|---|---|---|
| Oberer Wald | Rust | Schieferböden | Blaufränkisch-Spitzenwein |
| Gmärk | Rust | Leithakalk | Blaufränkisch und Weissweine |
| Pandkräften | Rust | Schiefer/Kalk-Mischung | Premium-Einzellagenwein |
| Hill-Gartenlagen | Jois | Leithakalk | Weissweine, Rosé |
Die Rust-Spitzenlagen zählen zu den teuersten Weinbergflächen Österreichs. Eine Hektar Erstklassiger Lage am Leithaberg wechselt den Besitzer für Preise, die in den siebenstelligen Bereich gehen. Hillingers Akquisition dieser Lagen war strategisch - und teuer.
Das Produktportfolio
Die Produktpalette umfasst rund 20 verschiedene Weine, sortiert nach Preisklassen:
Einstiegslinie (10-15 Euro):
- HILL Rosé (kommerzielles Flaggschiff, pink-fruchtig)
- Grüner Veltliner Classic
- Zweigelt Classic
- Small Hill Red (Cuvée)
Qualitätslinie (15-25 Euro):
- Sauvignon Blanc Reserve
- Chardonnay Reserve
- Blaufränkisch Rosenberg
- Pinot Noir Reserve
Premium-Segment (25-60 Euro):
- Blaufränkisch Oberer Wald
- Blaufränkisch Gmärk
- Blaufränkisch Pandkräften
- Hill 1 (Premium-Cuvée)
Alle Flaschen tragen das charakteristische „HILL"-Branding - eine grafisch reduzierte Marke, die sich klar von den traditionelleren Winzer-Etiketten unterscheidet.
Bio seit 2010
Seit 2010 arbeitet der Betrieb komplett biologisch zertifiziert. Das war zu dem Zeitpunkt eine der früheren grossflächigen Bio-Umstellungen im österreichischen Spitzenweinbau. Die Umstellung umfasst:
- Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel
- Bodenleben fördern statt bekämpfen
- Natürliche Hefen bei der Gärung
- Minimale Kellerinterventionen
Für einen Betrieb dieser Grössenklasse (mehrere hundert Tausend Flaschen jährliche Produktion) ist das ein beachtlicher Aufwand - Bio-Bewirtschaftung bedeutet mehr Arbeit pro Hektar und höhere Risiken bei Krankheitsdruck.
Was den Stil ausmacht
Hillinger-Weine sind stilistisch meist im modernen, zugänglichen Bereich angesiedelt. Die Rotweine zeigen eine ausgeprägte Fruchtkomponente, oft mit deutlichem Holzausbau, und sind früher zugänglich als die strukturell-strengen Weine des Mittelburgenlandes (Moric, Weninger) oder der Eisenberg-Region (Krutzler).
Charakteristika des Stils:
- Dichte, dunkle Frucht bei den Rotweinen
- Spürbarer, aber integrierter Holzausbau
- Präzise, klare Weissweine
- Früher zugängliche Reife als puristische Betriebe
- Markantes Branding und Etikett-Design
Das macht Hillinger-Weine zu einer guten Wahl für Trinker, die das österreichische Blaufränkisch-Profil lieben, aber nicht die Zurückhaltung der puristischen Stilistiken suchen.
Kritiker haben den Hillinger-Stil auch polarisiert gesehen: Den einen sind die Weine zu opulent und zu plakativ, den anderen erscheinen sie als gelungene Modernisierung. Die Fakten sprechen für Qualität: konstante Spitzenbewertungen bei Falstaff (Drei Sterne), Gault Millau, Parker, Mundus Vini und weiteren internationalen Wettbewerben.
Besuch und Gastronomie
Die HILL Lounge ist ganzjährig täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Das Angebot umfasst:
- Verkostungen (verschiedene Pakete von einfach bis Premium)
- Seminare und Weinkurse (Grundlagen, Regionenvergleich, Vertikale)
- Restaurant mit Blick über den Neusiedlersee
- Events wie Hochzeiten, Firmenfeiern, Betriebsausflüge
- Online-Shop mit Direktvertrieb weltweit
- Shop vor Ort mit kompletter Weinpalette
Der Standort in Jois ist von Wien aus in rund einer Stunde erreichbar - für einen Tagesausflug mit Verkostung und Mittagessen ideal geeignet. Die Region um den Neusiedlersee bietet in Kombination mit Rust und Mörbisch eine der konzentriertesten Weinstrassen Österreichs. Fahrrad-Touren rund um den See lassen sich gut mit einem Hillinger-Besuch kombinieren.
Die Familie und Zukunft
Leo Hillinger hat die nächste Generation in den Betrieb eingebunden. Tochter Vivienne und Sohn Leo Jr. (Jack) arbeiten mittlerweile in verschiedenen Funktionen mit. Vivienne hat 2024 zusätzlich die Chefredaktion der österreichischen Satire-Publikation „Die Tagespresse" übernommen, die Leo Hillinger erworben hat. Das erweitert das Profil der Familie über den Wein hinaus.
Leo Hillinger ist geboren 1967, war vor der Weinkarriere in verschiedenen Berufen tätig und hat den Betrieb nach und nach zur heutigen Grösse entwickelt. Die Kombination aus Winzerhandwerk, Marketing und Medienpräsenz ist in der österreichischen Weinbranche ungewöhnlich.
Kritischer Kontext und Einordnung
Hillinger polarisiert, und das gehört zum Porträt. Die Architektur des Weinguts wird von Puristen als zu plakativ gesehen, die Weine als zu kommerziell für ernsthafte Weinliebhaber. Gleichzeitig hat gerade diese Kombination aus Modernisierung und konsequenter Qualität den österreichischen Weinbau insgesamt nach vorne gebracht - Hillinger ist ein Türöffner für Konsumenten, die über den HILL Rosé oder den Klassik-Zweigelt zum ersten Mal in Kontakt mit österreichischem Qualitätswein kommen.
Im Vergleich zu anderen Spitzenbetrieben der Region: Heinrich und Prieler (Leithaberg) sind puristischer und terroir-orientierter, Paul Achs (Neusiedlersee) arbeitet biodynamischer, Moric und Weninger (Mittelburgenland) sind qualitativ oft in der Spitzen-Liga, mit weniger kommerziellem Einschlag. Hillinger positioniert sich bewusst zwischen Premium und Lifestyle.
Aus redaktioneller Sicht: Der Betrieb verdient die Drei Falstaff-Sterne, die internationalen Auszeichnungen belegen die Substanz. Wer Qualität im oberen, aber nicht esoterischen Bereich sucht, findet bei Hillinger verlässlich gute Weine - egal ob Alltagsschoppen oder Premium-Einzellage.
Empfehlungen
Für den Einstieg in die Hillinger-Welt empfehlen wir:
- HILL Rosé (ca. 12-14 Euro): kommerzielles Flaggschiff, sommertauglich, fruchtig - das Wiedererkennungsmerkmal der Marke
- Zweigelt Classic (ca. 10-12 Euro): solider Alltagsrotwein
- Blaufränkisch Rosenberg (ca. 20-25 Euro): Einstiegs-Lagenwein, sortentypisch
- Small Hill Red (ca. 14-18 Euro): zugängliche Rotwein-Cuvée, ideal fürs Grillen
- Einzellagen Oberer Wald oder Gmärk (35-50 Euro): Premium-Segment, für besondere Anlässe
- Hill 1 (ca. 60 Euro): absolutes Flaggschiff, Bordeaux-orientierte Cuvée
Für eine Geschmacks-Diagonale durch den Betrieb: drei Weine nebeneinander - HILL Rosé, Blaufränkisch Classic und Blaufränkisch Oberer Wald. Das zeigt die gesamte Qualitätsstufenbandbreite.
FAQ
Wo liegt das Weingut Leo Hillinger?
In Jois am Nordwestufer des Neusiedlersees, Adresse Hill 1, 7093 Jois. Die Region gehört zur Weinbauregion Leithaberg und ist Teil des Burgenlands. Von Wien aus rund 60 Minuten Autofahrt.
Wann ist die Vinothek geöffnet?
Die HILL Lounge ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Für spezielle Verkostungen und Seminare wird Voranmeldung empfohlen. Das Restaurant bietet separate Öffnungszeiten.
Wie viele Hektar bewirtschaftet Leo Hillinger?
Rund 20 Hektar liegen in den Spitzenlagen von Rust (Oberer Wald, Gmärk, Pandkräften). Insgesamt bewirtschaftet der Betrieb deutlich mehr Fläche, aufgeteilt auf eigene Weingärten in Jois und Umgebung sowie langfristige Pachtflächen.
Seit wann ist Hillinger bio?
Seit 2010 ist der Betrieb komplett biologisch zertifiziert. Das war eine der früheren grossflächigen Bio-Umstellungen im österreichischen Spitzenweinbau.
Welche Auszeichnungen hat Hillinger?
Drei Falstaff-Sterne (Top-Kategorie), regelmässige Spitzenbewertungen bei Gault Millau, Parker, Mundus Vini und weiteren internationalen Wettbewerben. Die genauen Punktzahlen schwanken je nach Jahrgang und Wein.
Was kostet ein Besuch im Weingut Leo Hillinger?
Einfache Verkostungen ab ca. 15-20 Euro pro Person, Premium-Erlebnisse mit geführter Tour und mehreren Weinen 40-80 Euro. Das Restaurant bietet einen separaten à-la-carte-Betrieb mit regionaler Küche.
Welches ist der bekannteste Hillinger-Wein?
Der HILL Rosé hat durch seine markante Pink-Farbe und die moderne Vermarktung die höchste Bekanntheit. Qualitativ zählen aber die Einzellagenweine aus Oberer Wald und Gmärk zur absoluten Spitze des Betriebs.
Wer hat die Architektur gestaltet?
Das Wiener Architekturbüro Gerner Gerner Plus. Die Anlage wurde 2004 fertiggestellt und ist für die teilweise unterirdische Bauweise mit periskopartig auskragender Verkostungsraum bekannt. Gewinner mehrerer Architekturpreise.
Ist Leo Hillinger selbst noch aktiv?
Ja. Leo Hillinger ist weiterhin Eigentümer und Gesicht des Betriebs. Die Kinder Vivienne und Leo Jr. sind in verschiedenen Funktionen eingebunden, aber die Marke bleibt eng mit Leo Hillinger persönlich verbunden.
Wie unterscheidet sich Hillinger von Moric oder Weninger?
Moric und Weninger sind konsequente Terroir-Puristen mit minimaler Kellerintervention und klarer Blaufränkisch-Fokussierung. Hillinger ist kommerzieller, breiter aufgestellt und mit stärkerem Holz-Einsatz. Alle drei sind Spitzenbetriebe, aber mit unterschiedlicher Stilistik und Philosophie.
Kann man bei Hillinger heiraten?
Ja, die Eventlocation HILL Lounge ist für Hochzeiten und grössere Feiern gebucht werden. Die Architektur mit Blick auf den Neusiedlersee macht die Location besonders beliebt für Hochzeitsfeiern in der Region.
Welchen Hillinger-Wein zur österreichischen Küche?
Der HILL Rosé passt zu leichten Sommergerichten, der Blaufränkisch Classic zu klassischem Beiried oder Wildragout, die Einzellagen-Blaufränkisch zu Spitzen-Rindfleisch oder Wild. Zum Wiener Schnitzel ein Grüner Veltliner Classic.


