Stift Klosterneuburg - Österreichs ältestes Weingut mit 900 Jahren Tradition
Seit 1114 ununterbrochener Weinbau, 108 Hektar in vier Weinbauregionen, 2009 als erstes klimaneutrales Weingut Österreichs zertifiziert…
Der älteste Weinbaubetrieb Österreichs
Das Stift Klosterneuburg ist kein gewöhnlicher Weinbaubetrieb. Es ist eine klösterliche Institution, die seit ihrer Gründung 1114 ununterbrochen Wein erzeugt - das macht sie zum ältesten Weingut Österreichs und einem der ältesten durchgehend aktiven Weinbaubetriebe Europas.
Markgraf Leopold III. legte am 12. Juni 1114 den Grundstein der Stiftskirche. Nur 19 Jahre später, 1133, übertrug Leopold das Kloster den Augustiner-Chorherren, die den Betrieb bis heute führen. Weinbau gehört seit dem 12. Jahrhundert zu den wirtschaftlichen Kernaktivitäten des Stifts - über 900 Jahre Kontinuität.
Standort ist Klosterneuburg, am nördlichen Wiener Stadtrand direkt an der Donau. Die Kombination aus historischer Architektur, liturgischer Tradition und modernem Weinbau macht den Besuch zu etwas Eigenem - selbst für Besucher, die mit Klöstern sonst wenig zu tun haben.
900 Jahre Weinbaugeschichte in Etappen
Die Geschichte des Stift-Weinbaus lässt sich in grossen Linien nachzeichnen:
1114: Grundsteinlegung des Stifts durch Markgraf Leopold III.
1133: Übertragung an die Augustiner-Chorherren, Beginn des systematischen Weinbaus.
Mittelalter (13.-15. Jh.): Ausbau der Rebflächen rund um Klosterneuburg. Das Stift wird zu einem der grössten Grundbesitzer der Region.
17.-18. Jahrhundert: Stiftsweinkeller werden ausgebaut, zentrale barocke Kellerarchitektur entsteht. Der Wein wird bei kaiserlichen und kirchlichen Anlässen verwendet.
19. Jahrhundert: Eröffnung der Klosterneuburger Weinbauschule (heute HBLAuBA), die internationale Bedeutung für die Rebzüchtung erlangt.
20. Jahrhundert: Erweiterung auf Lagen in Wien, Gumpoldskirchen und Tattendorf. Das Stift entwickelt sich zu einem Grossbetrieb mit mehreren Regionen.
2009: Zertifizierung als erstes klimaneutrales Weingut Österreichs.
Heute: 108 Hektar in vier Weinbauregionen, kontinuierliche Präsenz in der österreichischen Weinkultur.
Die Lagen - 108 Hektar in vier Regionen
Der Stiftsbesitz umfasst 108 Hektar Rebfläche in vier Weinbauregionen:
| Region | Lagen | Stilistik |
|---|---|---|
| Klosterneuburg | Stiftsbreite, Hengst, Bischofberg | Klassische Wiener/Wagram-Weine |
| Wien | Nussberg, Kahlenberg | Wiener Lagen-Weisse, Gemischter Satz |
| Gumpoldskirchen (Thermenregion) | Anninger-Lagen | Rotgipfler, Zierfandler, Pinot Noir |
| Tattendorf (Thermenregion) | - | St. Laurent und Rotwein-Schwerpunkt |
Die Spanne von Klosterneuburg bis Tattendorf umfasst drei Weinbauregionen mit unterschiedlichen Klima- und Bodenverhältnissen - das ist für einen einzelnen Betrieb ungewöhnlich und ermöglicht ein sehr breites Sortiment.
Besonders wertvoll: Das Stift bewirtschaftet historisch bedeutsame Lagen in Wien und im Wienerwald, darunter Teile der grossen Nussberg- und Kahlenberg-Parzellen. Diese Lagen gehören zu den ältesten dokumentierten Weingärten Mitteleuropas und sind seit dem 12. Jahrhundert in Nutzung.
Die Weingärten in Gumpoldskirchen (Thermenregion) sind ebenfalls historisch - das Gebiet rund um den Anninger gehörte bereits im Mittelalter zu den qualitativ hochwertigsten Thermenregion-Lagen. St. Laurent wird hier seit Jahrhunderten kultiviert, lange bevor die Sorte offiziell zu den österreichischen Qualitätsrebsorten zählte.
Der Klimaneutral-Meilenstein 2009
Im März 2009 wurde das Weingut Stift Klosterneuburg als erstes klimaneutrales Weingut Österreichs zertifiziert. Das ist keine Marketing-Behauptung, sondern ein wissenschaftlich geprüfter Status nach den Regeln unabhängiger Zertifizierer.
Grundlage sind:
- Ein stiftseigenes Biomasse-Heizkraftwerk, das sowohl Strom als auch Wärme für Stift und Weingut liefert
- Konsequent reduzierte Emissionen in der Bewirtschaftung (Photovoltaik, E-Fahrzeuge)
- Kompensation unvermeidlicher Restemissionen über zertifizierte Klimaprojekte
- Vollständige CO2-Bilanzierung des gesamten Betriebs
Für einen Grossbetrieb mit 108 Hektar ist das eine ungewöhnliche Anstrengung - und setzt Massstäbe für andere österreichische Weingüter. Seit der Ernte 2025 sind alle DAC-Weine in Österreich verpflichtend bio-zertifiziert oder nach „Nachhaltig Austria" produziert. Das Stift war mit seiner Klimaneutralität der Entwicklung um über 15 Jahre voraus.
Sorten- und Stil-Vielfalt
Durch die drei Weinbauregionen ist das Sortiment des Stifts ausserordentlich breit. Zentrale Rebsorten:
Weiss:
- Grüner Veltliner (Klosterneuburg, Wien) - die klassische Leitsorte
- Riesling - Klosterneuburger Premium-Lagen
- Gemischter Satz (Wien-Spezialität aus Nussberg und Kahlenberg)
- Rotgipfler und Zierfandler (Thermenregion-Spezialitäten)
- Chardonnay, Weissburgunder, Traminer ergänzend
Rot:
- St. Laurent (Thermenregion-Spezialität, historisch gepflegt)
- Pinot Noir (Gumpoldskirchen und Tattendorf)
- Zweigelt, Blaufränkisch (Tattendorf)
- Cabernet Sauvignon, Merlot (experimentell)
Süss:
- Eiswein und Prädikatsweine in kleineren Mengen
- Beerenauslese aus Thermenregion-Lagen
Die Produktion reicht von Alltagsweinen in der Preisklasse 7-12 Euro über Einzellagen bis zu Prestige-Weinen im höheren Segment. Der Stift-Stil ist insgesamt klassisch-österreichisch - präzise, sortentypisch, ohne Experimente zu Lasten der Identität.
Die Klosterneuburger Weinbauschule
Ein wichtiger Nebenaspekt: Die Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg ist eine der ältesten Weinbau-Forschungseinrichtungen der Welt, gegründet 1860. Sie ist institutionell nicht direkt Teil des Stiftswein guts, aber historisch und kulturell eng verbunden.
Berühmte Rebsorten-Züchtungen aus Klosterneuburg:
- Zweigelt (1922, Fritz Zweigelt)
- Blauburger (Klosterneuburg)
- Goldburger (1922, Zweigelt)
- Rösler (moderne Zeit)
- Jubiläumsrebe (Klosterneuburg)
Diese Sorten haben den österreichischen Weinbau geprägt. Das Stift selbst kultiviert mehrere dieser Züchtungen in seinen Weingärten.
Vinothek und Besuch
Die Vinothek des Stifts befindet sich direkt in der Stiftsanlage in Klosterneuburg. Öffnungszeiten und Verkostungsangebote sind auf der Website des Stifts aktuell einzusehen.
Was den Besuch besonders macht: Die Kombination aus klösterlicher Atmosphäre, historischen Weinkellern (die Architektur ist teils über 800 Jahre alt) und professionellem Weinservice. Führungen durch die Kellerräumlichkeiten sind möglich und lohnend - die barocken Kelleranlagen zählen zu den grössten privaten Kellern Mitteleuropas.
Anreise von Wien aus unkompliziert: 25 Minuten Autofahrt oder rund 40 Minuten mit der S-Bahn (S40). Gut kombinierbar mit einem Besuch der Stiftsbibliothek (eine der wertvollsten Sammlungen Österreichs), der Stiftskirche (barocke Prachtarchitektur) und des Wiener Gemischten Satzes im Nussberg.
Qualität und Positionierung
Das Stift Klosterneuburg ist keine „Star-Winzerei" im Sinne einer spektakulären Premium-Marke, sondern ein solider, historisch verankerter Qualitätsbetrieb. Die Weine erhalten regelmäßig gute Falstaff- und Gault-Millau-Bewertungen (meist 88-92 Punkte für die besseren Positionen). Preis-Leistungs-Verhältnis ist eine der Stärken - hier bekommt man für 10-15 Euro soliden, sortentypischen österreichischen Wein aus guten Lagen.
Was das Stift einzigartig macht, ist die historische und institutionelle Tiefe: Der Wein ist eingebunden in 900 Jahre Kultur, Liturgie und wirtschaftlicher Kontinuität. Das ist kein rationales Kaufargument, aber für viele Menschen ein berührender Zusatzaspekt.
Empfehlungen
Einstieg:
- Grüner Veltliner Stiftsbreite (ca. 9-12 Euro): typischer Klosterneuburger Grüner
- Wiener Gemischter Satz Nussberg (ca. 15-20 Euro): Wiener Spezialität aus historischer Lage
- St. Laurent Tattendorf (ca. 12-15 Euro): Thermenregion-Klassiker
Premium:
- Rotgipfler Reserve (ca. 20-25 Euro): Thermenregion-Spezialität auf hohem Niveau
- Pinot Noir Reserve Gumpoldskirchen (ca. 25-35 Euro): burgundisch geprägt
- Grüner Veltliner Reserve Klosterneuburg (ca. 18-22 Euro): historische Lagen
FAQ
Wann wurde Stift Klosterneuburg gegründet?
Markgraf Leopold III. legte den Grundstein 1114. 1133 wurde das Kloster den Augustiner-Chorherren übertragen, die es bis heute führen. Der Weinbau gehört zu den ältesten kontinuierlichen Aktivitäten des Stifts.
Wo liegt das Stift?
In Klosterneuburg, direkt nördlich von Wien am rechten Donauufer. Die Vinothek und Stiftsbetriebe sind im Stiftskomplex selbst, der auch die Stiftskirche, die Stiftsbibliothek und das Museum umfasst. Rund 25 Minuten Autofahrt oder 40 Minuten S-Bahn (S40) von der Wiener Innenstadt.
Wie gross ist das Weingut?
108 Hektar Rebfläche in vier Weinbauregionen: Klosterneuburg, Wien, Gumpoldskirchen und Tattendorf. Das ist einer der grösseren österreichischen Weinbaubetriebe - rund dreimal so gross wie ein typischer Premium-Einzelbetrieb.
Ist das wirklich Österreichs ältestes Weingut?
Ja, soweit die dokumentierte Tradition belegt ist. Seit 1114 gibt es kontinuierlichen Weinbau am Stift - das macht es zum ältesten nachweislich durchgehenden Weinbaubetrieb Österreichs. In Europa sind nur wenige Betriebe mit vergleichbarer Durchgängigkeit dokumentiert.
Was bedeutet klimaneutrales Weingut?
Die gesamte CO2-Bilanz des Betriebs ist durch eigene Massnahmen (Biomasse-Heizkraftwerk, reduzierte Emissionen, Photovoltaik) und Kompensation ausgeglichen. 2009 wurde das Stift als erstes österreichisches Weingut mit diesem Status zertifiziert.
Welche Weine sind Spezialitäten des Stifts?
Wiener Gemischter Satz aus den Stift-Lagen (Nussberg), Rotgipfler und Zierfandler aus Gumpoldskirchen, St. Laurent aus Tattendorf. Das sind klassische Wien-Thermenregion-Spezialitäten, die das Stift historisch prägt.
Kann man das Stift besuchen?
Ja, täglich. Neben der Vinothek gibt es die Stiftskirche, die Stiftsbibliothek, das Museum und die neue Sala terrena. Führungen sind buchbar, die Kombination aus Weinverkostung und Kulturprogramm ist der typische Besuch. Für Weininteressierte: die Kellerführung durch die barocken Gewölbe.
Welcher Stift-Wein für Einsteiger?
Ein Grüner Veltliner Stiftsbreite in der Preisklasse 10-12 Euro. Hier bekommen Sie sortentypischen Klosterneuburger Grünen Veltliner aus Stiftseigenen Lagen - solide Qualität, faire Preise, historische Herkunft.
Was hat es mit der Klosterneuburger Weinbauschule auf sich?
Die 1860 gegründete Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Wein- und Obstbau ist eine der ältesten Weinbau-Forschungseinrichtungen der Welt. Sie ist institutionell getrennt vom Stift, aber historisch und kulturell eng verbunden. Dort wurden berühmte Rebsorten wie Zweigelt, Goldburger und Blauburger gezüchtet.
Ist das Stiftsweingut bio?
Aktuell ist der Bio-Status des gesamten Betriebs öffentlich nicht eindeutig dokumentiert. Der Betrieb ist klimaneutral seit 2009 und arbeitet ökologisch orientiert, die formale Bio-Zertifizierung müssen Interessierte direkt beim Stift erfragen.
Welche Konzerte oder Events finden im Stift statt?
Neben den regelmässigen liturgischen Handlungen gibt es Konzertreihen in der Stiftskirche, jährliche Weinpräsentationen, kulturelle Führungen und das historisch berühmte Klosterneuburger Leopoldifest im November mit Fassrutschen und Weinverkauf. Das Fest geht auf alte Tradition zurück.
Kann man Stift-Weine international kaufen?
Ja, über den Online-Shop des Stifts, über ausgewählte Fachhändler in Österreich und Deutschland sowie über Wein-Spezialgeschäfte in Ländern wie der Schweiz, den Niederlanden und den USA. Die internationale Distribution ist ausgebaut, aber nicht so prominent wie bei den kommerziellen Spitzenbetrieben.


