Bründlmayer - Langenloiser Grandezza mit Weltformat
Das Weingut Bründlmayer in Langenlois zählt zu den grössten und renommiertesten Betrieben Österreichs. Seit 1581 in Familienhand, heute 90…
Vierhundertvierundvierzig Jahre Wein
Wer im Kamptal von Spitzenweingut spricht, kommt an Bründlmayer nicht vorbei. Das Haus in Langenlois blickt auf eine Familientradition bis ins Jahr 1581 zurück - also auf vierhundertvierundvierzig Jahre Weinbau. Falstaff führt Bründlmayer seit Jahren unter den Drei-Sterne-Adressen Österreichs. Das ist kein Marketing, das ist Substanz. Und es ist der Grund, warum die Kamptaler Winzerszene, so dynamisch sie heute ist, ihren ruhigen Fixstern in Willi Bründlmayer findet.
Seit 1980 führt Willi Bründlmayer den Betrieb. Unter seiner Ägide ist das Weingut zu einer der grössten und international renommiertesten Adressen Österreichs aufgestiegen. Ein Name mit Gewicht bei Falstaff, im Gault&Millau, bei Wine Spectator und Jancis Robinson. Wer in einer New Yorker Weinbar einen Kamptaler Riesling bestellt, bekommt mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Bründlmayer. Wer in Tokio einen österreichischen Sekt nach traditioneller Methode sucht, landet beim Brut aus Langenlois.
90 Hektar im Kamptal
Langenlois liegt rund 70 Kilometer nordwestlich von Wien, am Übergang von Donautal ins Kamptal. Der Ort ist die grösste Weinbaugemeinde Österreichs - und Bründlmayer sein bekanntester Betrieb. Die Rebfläche beträgt heute 90 Hektar. Das ist in österreichischem Massstab enorm. Bründlmayer ist Gründungsmitglied der Traditionsweingüter Österreich. Zum Vergleich: Ein durchschnittliches österreichisches Weingut bewirtschaftet rund 5 Hektar, F.X. Pichler in der Wachau 20 Hektar.
Die Sortenverteilung ist klar weisslastig. Rund 70 Prozent Weissweinsorten, angeführt von Grünem Veltliner und Riesling. Dazu Chardonnay, Grauburgunder, Sauvignon Blanc. Bei den Roten dominieren Zweigelt, St. Laurent und Pinot Noir - letzterer zunehmend als stilistischer Schwerpunkt, nachdem Willi Bründlmayer in den neunziger Jahren seine Burgunder-Lehre in Frankreich absolviert hatte.
Drei Weltklasse-Lagen und ein paar sehr gute
Bründlmayer besitzt Parzellen in allen bedeutenden Lagen rund um Langenlois und Zöbing. Drei davon sind tatsächlich Weltklasse, und sie definieren den Ruf des Betriebs.
Der Heiligenstein ist die geologisch älteste und eine der besten Rieden des Kamptals. Permisches Wüstensandstein-Gestein, rund 270 Millionen Jahre alt. Diese Bodenstruktur gibt es in dieser Form nirgendwo sonst in Österreich. Der Wind zieht durch das Kamptal, die Sonne brennt auf den Südhang. Riesling vom Heiligenstein reift langsam, behält Säure und entwickelt über Jahre hinweg eine rauchig-mineralische Komplexität. Wer einen zehn Jahre alten Heiligenstein von Bründlmayer öffnet, merkt sofort, dass diese Lage etwas Anderes ist als alles, was sie umgibt.
Der Lamm ist Grüner-Veltliner-Lage par excellence. Lehmige, tiefgründige Böden, südexponiert, windgeschützt. Hier wachsen die kräftigsten, schmelzigsten Veltliner des Betriebs. Der Lamm-Veltliner von Bründlmayer gehört seit Jahrzehnten zur Referenz für die Sorte in Österreich, und nur wenige Parzellen weltweit produzieren Grünen Veltliner dieser Dichte und Komplexität.
Der Käferberg ist ebenfalls Grüner Veltliner, aber kühler und steiniger als Lamm. Das Ergebnis: schlanker, strukturierter, mit mehr Säurespannung. Wer die beiden Lagen nebeneinander verkostet, bekommt eine Lektion über den Einfluss von Boden und Exposition. Steinmassl und Berg Vogelsang ergänzen als Ortsweine und Reserve-Lagen das Portfolio.
Willi Bründlmayer: vier Jahrzehnte prägender Stil
Willi Bründlmayer übernahm 1980. Vorher hatte er Betriebswirtschaft in Wien studiert und Weinbau in Burgund gelernt. Diese Kombination prägt den Stil des Hauses bis heute: akribische Arbeit im Weinberg, präziser Ausbau im Keller, dazu ein unverkennbar burgundisch beeinflusstes Verständnis von Lage und Finesse. Die Bründlmayer-Weine sind in der Welt der österreichischen Spitzengüter diejenigen, die am deutlichsten Richtung Burgund zeigen, ohne dabei die österreichische Handschrift zu verlieren.
Entscheidend für den heutigen Stil war Bründlmayers Bekenntnis zu biologischer Bewirtschaftung. Der Betrieb arbeitet seit Jahren nach ökologischen Kriterien, ist Mitglied bei Respekt Biodyn und zertifiziert biologisch. Begrünung der Weinberge, Handlese in den Spitzenlagen, minimaler Einsatz im Keller, lange Hefelagerung der Sekte. Das ist in einem Betrieb dieser Grösse keine Selbstverständlichkeit - 90 Hektar biologisch zu bewirtschaften bedeutet hohen manuellen Aufwand.
Der zweite grosse Verdienst Willi Bründlmayers liegt im Sekt. Er hat in den späten achtziger Jahren die österreichische Sektkultur neu aufgebaut, als das Thema in Österreich noch fast vergessen war. Der "Bründlmayer Brut", erstmals 1989 abgefüllt, ist nach traditioneller Methode handgerüttelt, mit langer Hefelagerung. Er hat gleich zwei Massstäbe gesetzt: einen stilistischen und den Nachweis, dass Österreich überhaupt ernsthafte Flaschengärsekte produzieren kann.
Der Bründlmayer-Sekt: Qualität mit Champagner-Anspruch
Drei Sekte bilden die Spitze des Portfolios:
- Brut - die Hausmarke, Cuvée aus Grünem Veltliner, Chardonnay und Pinot Noir
- Extra Brut - mit minimaler Dosage, für Puristen
- Rosé Brut - Pinot-Noir-basiert, seit wenigen Jahren auf höchstem Niveau
Lange Hefelagerung (meist 30+ Monate), traditionelle Flaschengärung mit Handrüttelung, Degorgierung am eigenen Gut - das ist die Bründlmayer-Methode. Ein Bründlmayer Brut kostet im Handel rund 22 bis 26 Euro. Das ist für einen österreichischen Sekt dieses Niveaus fair und im internationalen Vergleich ein Schnäppchen verglichen mit Champagner ähnlicher Qualität. Wer den Unterschied zwischen industriell erzeugtem Sekt und handwerklich gemachtem Schaumwein kennenlernen möchte, bekommt hier einen der besten Einstiege.
Stillweine: Weltklasse bei Veltliner und Riesling
Die Riedenweine Heiligenstein, Lamm und Käferberg sind das Aushängeschild. Jedes Jahr unter den Top-Bewertungen in den grossen Weinführern. Punktewertungen von 93 bis 96 bei Parker und Wine Spectator sind die Regel, bei Falstaff sind 95+ Standard. Was den Stil ausmacht, lässt sich in drei Worten zusammenfassen: Frucht, Mineralität, Länge. Keine überladene Konzentration, keine Holzorgien, keine modischen Experimente.
Die Einstiegsweine - klassischer Grüner Veltliner und Riesling - kosten um 12 bis 15 Euro. Ortsweine (Langenlois, Zöbing, Strass) liegen bei 18 bis 25 Euro. Riedenweine beginnen ab 35 Euro aufwärts, die Reserve-Qualitäten vom Heiligenstein und Lamm gehen bis 70 Euro. Wer einen Einstieg in das Kamptal sucht, kommt bei Bründlmayer stilistisch genau richtig an: Weine mit Frucht, aber ohne Überladung. Mit Körper, aber nicht überextrahiert. Mit klarer Handschrift, aber immer im Dienst der Lage.
Heurigenhof Bründlmayer: Gastronomie mit Stern
Neben dem Weingut betreibt die Familie einen Heurigenhof, der kürzlich mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. Klassischer Heuriger, aber mit kulinarischem Anspruch auf Sterneniveau. Die Kombination ist in Österreich einmalig und zeigt, wohin Bründlmayer denkt: Wein, Küche, Region als Gesamterlebnis. Adresse des Heurigenhofs ist das ehemalige Schloss Haindorf. Wer in der Wachau oder im Kamptal unterwegs ist, sollte einen Abend einplanen.
Stil und Philosophie
Drei Dinge machen den Bründlmayer-Stil aus. Präzision: Die Weine sind technisch nie auffällig, nie überextrahiert, nie überreif. Sie schmecken nach dem, wonach sie schmecken sollen - der Heiligenstein nach Heiligenstein, der Lamm nach Lamm. Lagerfähigkeit: Ein Riesling Heiligenstein aus einem guten Jahrgang entwickelt sich über 15 bis 20 Jahre. Die Sekte gewinnen mit jedem Monat auf der Hefe. Wer sich einen kleinen Keller aufbaut, landet zwangsläufig bei Bründlmayer. Konsistenz: In schwachen Jahrgängen fallen die Weine weniger tief als bei vielen anderen Betrieben. In starken Jahrgängen gehen sie nach oben. Diese Verlässlichkeit über Jahrzehnte ist ein Markenzeichen.
Besuch und Bezug
Der Heurigenhof hat regelmässig Öffnungszeiten. Das Weingut selbst bietet Führungen und Verkostungen nach Voranmeldung. Ein eigener Shop ergänzt den Direktverkauf.
- Adresse: Zwettlerstraße 23, 3550 Langenlois
- Telefon: +43 2734 2172-0
- E-Mail: weingut@bruendlmayer.at
Im Handel sind Bründlmayer-Weine flächendeckend verfügbar. Wein & Co, Del Fabro Kolarik, fast jeder gut sortierte Weinhändler führt zumindest die Einstiegsweine. International sind die Weine in den USA, UK, Deutschland und der Schweiz vertreten.
Einordnung
In der ersten Liga. Zusammen mit Hirsch, Schloss Gobelsburg und Jurtschitsch definiert Bründlmayer, was Kamptal heute sein kann. Stilistisch ist Bründlmayer klassischer als manche der jüngeren, wilderen Betriebe - und genau darin liegt die Stärke. Kein Trend, keine Mode, keine Orange-Wine-Experimente. Stattdessen: 444 Jahre Erfahrung in Flaschen gefüllt.
Wer das Kamptal als Weinregion besser kennenlernen möchte, findet dort einen ausführlichen Überblick. Für alle, die sich für Grünen Veltliner interessieren, führt kein Weg an den Lamm- und Käferberg-Weinen von Bründlmayer vorbei.
FAQ
Wie alt ist das Weingut Bründlmayer?
Die Familientradition reicht bis 1581 zurück - über 444 Jahre Weinbau. Seit 1980 leitet Willi Bründlmayer den Betrieb, heute unterstützt von der nächsten Generation.
Wie gross ist Bründlmayer?
90 Hektar Rebfläche, damit einer der grössten Qualitätsbetriebe Österreichs. Rund 70 Prozent Weisswein, vor allem Grüner Veltliner und Riesling, dazu Chardonnay und rote Sorten wie Zweigelt und Pinot Noir.
Was kostet ein Bründlmayer Sekt?
Der Brut liegt bei 22 bis 26 Euro im Handel, Rosé Brut und Extra Brut ähnlich. Die Langzeit-Reserven (drei bis vier Jahre auf der Hefe) liegen höher. Bei spezialisierten Händlern und direkt am Hof am besten beziehen.
Welche Lagen sind bei Bründlmayer besonders wichtig?
Heiligenstein (Riesling), Lamm und Käferberg (beide Grüner Veltliner). Alle drei zählen zu den besten Lagen Österreichs. Dazu Steinmassl, Berg Vogelsang und zahlreiche weitere.
Ist Bründlmayer bio?
Ja, der Betrieb arbeitet biologisch zertifiziert und ist Mitglied bei "Respekt Biodyn". Handlese in Spitzenlagen, Begrünung, minimaler Einsatz im Keller.
Kann man bei Bründlmayer verkosten und essen?
Ja. Das Weingut bietet Verkostungen nach Voranmeldung. Der Heurigenhof Bründlmayer im ehemaligen Schloss Haindorf wurde mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet und kombiniert Heurigen-Tradition mit Sterneküche.
Was macht den Bründlmayer Brut besonders?
Traditionelle Flaschengärung, Handrüttelung, 30+ Monate auf der Hefe, Cuvée aus Grünem Veltliner, Chardonnay und Pinot Noir. Seit 1989 produziert, gilt als einer der besten österreichischen Sekte.


