Moric - Roland Velichs Revolution des Blaufränkisch
Roland Velich gilt für Jancis Robinson als bester Blaufränkisch-Produzent der Welt. Sein Weingut Moric in Großhöflein wurde 2023 Falstaff…
Eine Sorte neu erfunden
Bevor es Moric gab, war Blaufränkisch in Österreich zwar präsent, aber international nicht wirklich ernst genommen. Zu rustikal, zu säurebetont, zu regional, lautete die Einschätzung internationaler Weinkritiker. Diese Wahrnehmung hat ein Mann grundlegend verändert: Roland Velich. Er hat gezeigt, dass Blaufränkisch eine Sorte von Weltklasse-Potenzial ist, wenn man sie nur richtig behandelt.
2001 gründete er das Weingut Moric. Zwanzig Jahre später gilt der Betrieb als Referenz für Blaufränkisch in Österreich wie international. Die britische Weinkritikerin Jancis Robinson nannte Velich "den besten Blaufränkisch-Produzenten der Welt". James Suckling listet Moric unter den Top 10 Weingütern weltweit - und vergab 2025 für den Blaufränkisch Alte Reben Lutzmannsburg Jahrgang 2023 die Höchstwertung von 100 Punkten, erstmals für einen österreichischen Rotwein auf dieser Plattform. Falstaff kürte Velich 2023 zum Winzer des Jahres und bewertete den Lutzmannsburg 2021 mit 98 Punkten.
Die Gründungsidee: alte Reben, wenig Ertrag, maximale Herkunft
Roland Velich kommt ursprünglich aus einer anderen Ecke des österreichischen Weinbaus. Die Familie Velich ist für Süssweine am Neusiedlersee bekannt (Weingut Velich in Apetlon). Roland Velich hat das Handwerk dort gelernt, aber seine Leidenschaft lag von Anfang an woanders: bei den alten, oft vernachlässigten Blaufränkisch-Beständen im Mittelburgenland. Während die meisten österreichischen Rotweinwinzer in den späten Neunzigern auf internationale Sorten und Barrique-Ausbau setzten, schaute Velich in die andere Richtung.
Seine Grundüberzeugung war einfach: Blaufränkisch ist eine Weltklasse-Sorte, es fehlen nur die richtigen Interpretationen. Zu reife Trauben, zu viel neues Holz, zu viel Konzentration - das waren in den Neunzigern die Standardfehler. Velich ging den umgekehrten Weg. Frühere Lese, moderate Extraktion, grosses Holz, keine Schönung, nur minimale Schwefelung. Dafür brauchte er alte Reben. Parzellen mit 40, 50, 60 Jahre alten Stöcken. Geringer Ertrag, tiefe Wurzeln, echte Herkunft. Solche Flächen waren damals kaum verfügbar - und Velich pachtete sie sich systematisch zusammen, oft in den traditionsreichsten Dörfern des Mittelburgenlands.
Zahlen, Lagen, Struktur
Heute bewirtschaftet Moric 22,5 Hektar in zwei Zonen: Mittelburgenland und Leithagebirge. Das ist für einen Premium-Rotweinbetrieb eine stattliche Grösse, aber nicht industriell. Die Weingartenarbeit läuft überwiegend per Hand, die Lese in mehreren Durchgängen, die Selektion auf der Rütteltisch-Ebene einzelner Beeren.
Drei Lagen-Komplexe bilden das Rückgrat. Neckenmarkt im Mittelburgenland mit kalkhaltigen Böden über Schotter, südwest-exponiert. Hier wachsen die komplexesten und langlebigsten Blaufränkisch des Betriebs. Der Moric Blaufränkisch Neckenmarkt ist einer der teuersten Rotweine Österreichs und gilt im internationalen Vergleich als herausragend. Lutzmannsburg ebenfalls Mittelburgenland, aber wärmer und mit anderem Bodenprofil: Lehm, Schwarzerde, etwas mehr Konzentration. Der Blaufränkisch Alte Reben Lutzmannsburg aus dem Jahrgang 2023 bekam 100 James-Suckling-Punkte - erstmals für einen österreichischen Rotwein auf dieser Plattform. Leithaberg zur Ergänzung - Kalksteinboden, andere Stilistik. Hier entstehen präzisere, säurebetontere Weine. Dorfflaschen wie der "Blaufränkisch Hausmarke" oder "Blaufränkisch Burgenland" sind das Einstiegssegment, aber auch hier merkt man die Handschrift Velichs: Eleganz statt Wucht.
Philosophie: Originale, keine Kopien
Velich hat seinen Ansatz immer wieder in einem Satz zusammengefasst: "Ich will nur Originale im Glas." Gemeint ist: keine Anpassung an internationale Geschmacksmoden, keine parkernahen Blockbuster, keine Standardisierung. Stattdessen die Eigenart des Ortes, der Sorte, des Jahrgangs - unverfälscht. In einer Zeit, in der viele österreichische Rotweine amerikanisiert wurden, war das eine Gegenposition.
In der Praxis sieht das so aus:
- Lese nach Einzelparzellen, oft gestaffelt über mehrere Wochen
- Spontangärung mit Naturhefen, offene Gärbottiche
- Ausbau im grossen Holzfass, kaum neues Holz
- Keine Schönung, minimale Filtration
- Zurückhaltende Schwefelung
- Lange Fassreife vor der Abfüllung, oft 18 bis 24 Monate
Die Weine sind keine "lauten" Weine. Wer üppige Marmeladenfrucht erwartet, wird enttäuscht. Wer Blaufränkisch mit Säure, Struktur, mineralischer Spannung und Entwicklungspotenzial schätzt, findet hier das Mass der Dinge.
Der Stil: Blaufränkisch als Burgunder-Äquivalent
Stilistisch erinnern Moric-Weine eher an feinen burgundischen Pinot Noir als an internationale Rotweine. Helle bis mittlere Farbe, kühle Frucht (Kirsche, Brombeere, dazu Kräuter und Pfeffer), klare Säurestruktur, feines Tannin. Wer einen jungen Moric Neckenmarkt direkt nach der Flaschenöffnung trinkt, merkt sofort: Das ist nichts für die schnelle Runde. Der Wein braucht Zeit, Luft, und im besten Fall ein paar Jahre im Keller.
Ein Moric Neckenmarkt oder Lutzmannsburg junger Jahrgänge sind oft verschlossen. Nach fünf bis acht Jahren blühen sie auf, nach 15 Jahren zeigen sie ihre volle Komplexität. Für die internationale Anerkennung war genau dieser Stil entscheidend. Während viele österreichische Rotweine in den Zweitausendern durch Konzentration und neues Holz "amerikanisiert" wurden, ging Moric den umgekehrten Weg - und landete genau dort, wo heute die Elite-Sommeliers suchen: bei Authentizität, Eleganz, Reifepotenzial.
Preise und Bezug
Das Preisspektrum ist breit und reicht von zugänglich bis prestigeträchtig:
- Einstiegsweine (Blaufränkisch "Hausmarke", "Burgenland"): 15 bis 22 Euro
- Riedenweine Neckenmarkt und Lutzmannsburg: 45 bis 90 Euro je nach Jahrgang
- "Alte Reben"-Qualitäten: ab 100 Euro aufwärts, in Spitzenjahrgängen deutlich mehr
Der Handel läuft über spezialisierte Fachhändler - Wein & Co. Premium, Del Fabro Kolarik, Morandell in Österreich, Weinfurore in Deutschland. International vor allem USA (Robert Parker-Kritiker hat Moric früh entdeckt), UK, Japan und Skandinavien. Wer direkt beim Gut kaufen will: Die Weine sind rar, stark nachgefragt und oft in der Subskription bereits vergriffen. Der Zugang läuft über Newsletter-Anmeldung und persönlichen Kontakt.
Hidden Treasures: das pannonische Nebenprojekt
Neben Moric arbeitet Velich am Projekt "Hidden Treasures" in Ungarn. Ziel: die historisch bedeutende pannonische Weinregion wiederzubeleben. Weine aus alten, fast vergessenen Weinbergen rund um den Balaton und in West-Ungarn - immer mit der Moric-Philosophie: geringe Erträge, minimale Intervention, maximale Herkunftsbetonung. Das Projekt ist für Velich kein Nebenprodukt, sondern eine Erweiterung seines Ansatzes: Pannonia als gemeinsamer Weinbau-Raum, der erst durch die Grenzziehungen des 20. Jahrhunderts zerschnitten wurde.
Besuch und Kontakt
- Adresse: Kirchengasse 3, 7051 Großhöflein
- Zugang: über spezialisierte Händler, Subskription oder persönliche Anfrage
Das Weingut ist kein klassischer Ausflugsbetrieb mit Weinstube. Termine für Verkostungen laufen über persönliche Absprache. Wer Moric-Weine verkosten möchte, findet sie in Top-Gastronomie in Wien (Steirereck, Tian, Mast), München, Berlin, London und New York.
Einordnung
Moric hat die Wahrnehmung von österreichischem Rotwein international verändert. Vor Moric war Österreich ein Weissweinland mit netten Rotwein-Nebendarstellern. Heute steht Blaufränkisch als Sorte im Gespräch - gemeinsam mit Spitzen aus der Toskana, Rioja und Bordeaux. Neben Moric prägen Uwe Schiefer, Hans Tschida, Hans Igler und einige andere das neue Blaufränkisch-Verständnis. Aber Velich bleibt der bekannteste und meistbewertete Name. Wer einmal einen reifen Neckenmarkt-Moric verkostet hat, versteht die Begeisterung von Jancis Robinson und James Suckling.
Für Einordnung in die Region und die Sorte: der Blaufränkisch-Artikel und der Mittelburgenland-Guide liefern weitere Kontextinformationen.
FAQ
Was macht Roland Velich besonders?
Er hat Blaufränkisch international neu positioniert. Mit reduziertem Ertrag, alten Rebstöcken, grossem Holzfass und minimaler Intervention. Jancis Robinson nennt ihn den besten Blaufränkisch-Produzenten der Welt.
Wann wurde Moric gegründet?
2001 in Großhöflein, Burgenland. Heute 22,5 Hektar Rebfläche im Mittelburgenland und am Leithagebirge.
Welche Lagen sind bei Moric am bekanntesten?
Neckenmarkt und Lutzmannsburg im Mittelburgenland. Beide mit alten Rebbeständen, beide 95+ bei internationalen Kritikern. Der Lutzmannsburg Alte Reben 2023 bekam von James Suckling 100 Punkte - erstmals für einen österreichischen Rotwein auf dieser Plattform. Falstaff bewertete denselben Wein im Jahrgang 2021 mit 98 Punkten.
Wie teuer sind Moric-Weine?
Einstiegsweine ab 15 bis 22 Euro, Riedenweine 45 bis 90 Euro, Alte-Reben-Qualitäten ab 100 Euro. Im Sekundärmarkt (Auktionen, Reifelager) oft deutlich darüber.
Kann man Moric-Weine jung trinken?
Theoretisch ja, sinnvoll meist nein. Die Riedenweine sind oft 5 bis 8 Jahre nach Abfüllung verschlossen. Nach 10 bis 15 Jahren zeigen sie ihre volle Klasse. Wer jung trinkt, sollte 2 bis 3 Stunden dekantieren.
Ist Moric bio?
Der Betrieb arbeitet weitgehend naturnah, mit spontaner Gärung, minimaler Schwefelung und ohne Schönung. Eine offizielle Bio-Zertifizierung gibt es nicht. Die Philosophie geht aber in diese Richtung.
Was ist "Hidden Treasures"?
Ein Parallelprojekt Velichs in Ungarn. Ziel: die historische pannonische Weinregion wiederbeleben - mit derselben Philosophie wie bei Moric.
Wo bekommt man Moric-Weine?
Spezialisierte Weinhändler, Top-Gastronomie, international vertreten in USA, UK, Japan. Beim Weingut selbst sind die Weine oft in der Subskription bereits vergriffen.


