Nicht gemischt, sondern gepresst

Die häufigste Annahme über Rosé ist zugleich die falscheste: dass er aus Rot- und Weisswein zusammengeschüttet wird. Das ist in der Europäischen Union untersagt. Selbst der Most aus roten und weissen Trauben darf zu diesem Zweck nicht verschnitten werden.

Nach österreichischem Weinrecht darf die Bezeichnung Roséwein ausschliesslich für Wein aus roten Rebsorten verwendet werden. Ein Verschnitt von Weiss- und Rotwein ist zwar herstellbar und als "Österreichischer Wein" verkehrsfähig - aber nicht unter dem Namen Rosé.

Die einzige nennenswerte Ausnahme betrifft Schaumwein: Rosé-Sekt und Rosé-Champagner dürfen sehr wohl durch Zugabe von Rotwein zur weissen Grundcuvée entstehen. Was beim Stillwein verboten ist, ist beim Sekt gängige Praxis.

Rosé ist also kein Kompromiss zwischen zwei Weinen, sondern ein eigener Weintyp mit eigener Herstellung.

Die zwei Verfahren

Die Farbe im Wein steckt in der Beerenhaut, nicht im Saft. Fast alle roten Rebsorten haben hellen Most. Wie viel Farbe im Glas landet, entscheidet daher nur eine Grösse: wie lange der Saft mit den Schalen Kontakt hatte. Daraus ergeben sich zwei Wege.

Direktpressung (pressurage direct): Bestimmte Parzellen oder Traubenpartien werden von vornherein für Rosé bestimmt. Die blauen Trauben stehen je nach Sorte und Reifezustand mehrere Stunden bis wenige Tage auf der Maische und werden dann abgepresst. Farbe und Charakter hängen unmittelbar von der Standzeit ab. Diese Rosés haben spürbar mehr Struktur und Körper.

Saignée (Saftabzug): Hier ist der Rosé ein Nebenprodukt der Rotweinbereitung. Nach einer Standzeit von einigen Stunden bis zu einem Tag werden 10 bis 20 Prozent des Mostes abgezogen - die Maische wird zur Ader gelassen, daher der Name. Das hat einen doppelten Zweck: Der verbleibende Rotwein bekommt ein besseres Verhältnis von Schale zu Saft und damit mehr Konzentration, und der abgezogene Most wird separat zu Rosé vergoren. Saignée-Rosés sind meist schlanker, frisch und fruchtbetont.

Beide Verfahren sind legitim. Nur eines davon ist eine bewusste Entscheidung für den Rosé - das andere ist eine Entscheidung für den Rotwein.

Was die Farbe verrät

Blass bedeutet nicht automatisch trocken, dunkel nicht automatisch süss. Die Farbe sagt zunächst nur etwas über Sorte und Maischestandzeit aus.

Trotzdem gibt es einen Zusammenhang: Der blasse, lachsfarbene Provence-Stil, der den europäischen Markt seit Jahren prägt, entsteht durch sehr kurzen Schalenkontakt und ergibt tendenziell leichtere Weine. Dunklere Rosés mit kräftigem Pink oder Hellrot haben mehr Extrakt, mehr Tannin und vertragen entsprechend mehr am Teller.

Wer österreichischen Rosé kauft, findet beides - und zunehmend auch Varianten im Holzfass ausgebaut.

Die Nachbarn: Blanc de Noirs, Weissherbst, Rotling

Rund um den Rosé stehen mehrere Kategorien, die oft verwechselt werden:

  • Blanc de Noirs ist ein Weisswein aus roten Trauben. Die Trauben werden so schonend und schnell gepresst, dass praktisch keine Farbe in den Most übergeht. Der Wein schmeckt meist kräftiger als ein vergleichbarer Weisswein aus weissen Sorten.
  • Weissherbst ist eine deutsche Kategorie: Rosé aus einer einzigen roten Sorte, die angegeben werden muss.
  • Rotling ist die deutsche Ausnahme vom Verschnittverbot - rote und weisse Trauben werden gemeinsam gepresst und müssen als Rotling ausgewiesen werden. Regionale Sonderformen sind der württembergische Schillerwein und das badische Rotgold.

In Österreich spielen diese Bezeichnungen keine Rolle. Hier gibt es Rosé - und den Schilcher.

Rosalia DAC: die einzige Rosé-Herkunft

2018 wurde die frühere Grosslage Rosalia im Bezirk Mattersburg zum eigenen DAC-Gebiet erhoben, rückwirkend ab dem Jahrgang 2017. Damit war Rosalia das erste österreichische Gebiet, das Rosé als herkunftstypischen Wein führt.

Die Eckdaten:

  • Rund 230 Hektar an der Ostflanke des Rosaliengebirges, mit Pöttelsdorf, Neudörfl und Sigless als wichtigsten Orten.
  • Rosalia DAC rot: reinsortig aus Blaufränkisch oder Zweigelt, mindestens 12 Prozent Alkohol, höchstens 4 Gramm Restzucker.
  • Rosalia DAC Rosé: aus einer oder mehreren roten Qualitätsweinsorten, trocken ausgebaut - im Stahltank oder im Holzfass.
  • Die Böden wechseln von kalkarm im Süden zu stark kalkhaltig in der Mitte und im Norden.

Dass ein ganzes Herkunftsgebiet seine Identität auch über Rosé definiert, ist in Österreich bis heute einmalig. Der Regionalverband führt die beteiligten Betriebe.

Daneben ist Rosé auch in den DAC-Verordnungen von Wagram und Wachau vorgesehen, dort allerdings in untergeordneter Rolle.

Schilcher ist kein normaler Rosé

Der Schilcher aus der Weststeiermark ist rechtlich ein Rosé, sensorisch aber ein Sonderfall. Er wird ausschliesslich aus Blauem Wildbacher erzeugt, hat auffallend viel Säure und ein Aroma zwischen Ribisel, Walderdbeere und Himbeere, das keine andere österreichische Sorte liefert.

Wer einen provencehaften Terrassenwein erwartet und einen Schilcher einschenkt, wird überrascht. Details zur Sorte stehen auf der Seite zum Blauen Wildbacher, das Gebiet dahinter beschreibt die Seite zur Weststeiermark.

Welche Sorten in Österreich

Klar dominierend ist der Zweigelt. Er bringt ausgeprägte Frucht mit und hat selten ruppige Tannine - beides Voraussetzungen für einen guten Rosé. Er wird sowohl reinsortig als auch in Cuvées verwendet.

Daneben tauchen zunehmend eigenständige Sortenvertreter auf: Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinot Noir und St. Laurent. Jede bringt eine andere Typizität mit, was das stilistische Spektrum deutlich verbreitert hat.

Der Trend ist stabil: Nach Beobachtung der Fachzeitschrift Vinaria hat sich Rosé in einem Weinmarkt mit Rückgängen in vielen Bereichen als krisensichere Kategorie erwiesen, vielerorts sogar als Wachstumsprodukt. Praktisch jeder heimische Qualitätsbetrieb führt heute mindestens einen Rosé im Sortiment.

Die besten des Jahrgangs 2024

Vinaria verkostete für die Ausgabe 03/2025 unter dem Titel "Best of Rosé" die aktuellen Jahrgänge. Die Topliste wird auf der 20-Punkte-Skala bewertet:

PunkteWein
17,1Netzl, 2024 Christina Rosé handmade & unfiltered
17,0Prieler, 2024 Rosé vom Stein Blaufränkisch
16,6Steininger, 2024 Cabernet Sauvignon Rosé
16,5Strehn, 2024 Pia und die starken Männer
16,4Topf, 2024 Rosé Zweigelt
16,2Iby, 2024 Rosé Blaufränkisch
16,2Mad, 2024 Rosé Ried Marienthal Blaufränkisch

Zum Jahrgang selbst: 2024 war klimatisch schwierig, von Spätfrost über Hagel bis zu spätsommerlichem Starkregen. Die Erntemenge lag gut 22 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt, mit starken regionalen Unterschieden. Die Gradationen fielen hoch aus, die Säurewerte eher moderat - viele Weine sind entsprechend kraftvoll.

Trinken und lagern

Die empfohlene Serviertemperatur liegt bei 8 bis 11 Grad. Kälter serviert verschwindet die Aromatik, wärmer wirkt der Alkohol vor.

Beim Glas ist ein Kelch mit sich verjüngender Öffnung sinnvoll, der die Aromen bündelt - ein Weissweinglas tut es also. Mehr dazu steht auf der Seite zur Glaswahl.

Zur Lagerfähigkeit: Die leichten, frischen Typen sind für den jungen Konsum gemacht und sollten innerhalb eines Jahres getrunken werden. Strukturierte, komplexere Rosés - vor allem solche aus Direktpressung und mit Holzausbau - reifen dagegen zwei bis vier Jahre.

FAQ - Häufige Fragen zum Roséwein

Wird Rosé aus Rot- und Weisswein gemischt?

Nein. In der EU ist der Verschnitt von Weiss- und Rotwein zu Rosé verboten. Roséwein muss aus roten Rebsorten stammen. Nur bei Schaumwein ist die Zugabe von Rotwein zur weissen Grundcuvée erlaubt.

Wie entsteht die Farbe im Rosé?

Durch kurzen Kontakt des Mostes mit den Beerenhäuten. Der Saft roter Trauben ist fast immer hell - die Farbstoffe sitzen in der Schale. Je länger der Kontakt, desto dunkler der Wein.

Was ist der Unterschied zwischen Direktpressung und Saignée?

Bei der Direktpressung werden Trauben gezielt für Rosé geerntet und nach kurzer Maischestandzeit abgepresst. Bei der Saignée werden 10 bis 20 Prozent Most aus einem Rotweinansatz abgezogen; der Rosé ist dann ein Nebenprodukt.

Was ist ein Blanc de Noirs?

Ein Weisswein aus roten Trauben. Die Trauben werden so schnell gepresst, dass kaum Farbe in den Most übergeht.

Welche Rebsorte wird in Österreich am häufigsten für Rosé verwendet?

Der Zweigelt. Daneben werden zunehmend Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinot Noir und St. Laurent reinsortig für Rosé ausgebaut.

Welche österreichische Herkunft steht für Rosé?

Rosalia DAC im Burgenland - das erste Gebiet Österreichs, das Rosé als herkunftstypischen Wein führt, seit dem Jahrgang 2017. Dazu kommt der Schilcher aus der Weststeiermark.

Bei welcher Temperatur trinkt man Rosé?

Bei 8 bis 11 Grad. Zu kalt unterdrückt die Aromatik, zu warm betont den Alkohol.

Kann man Rosé lagern?

Leichte, frische Rosés sollten innerhalb eines Jahres getrunken werden. Strukturierte Rosés mit Holzausbau halten zwei bis vier Jahre und gewinnen dabei an Komplexität.