Weinregion Vulkanland Steiermark - Wein auf Basalt und Tuff
1.524 Hektar auf erloschenen Vulkanen, verstreut über viele kleine Weininseln. Das wärmste steirische Weinbaugebiet und seine neun…
Kein zusammenhängendes Weinbaugebiet
Die Vulkanland Steiermark ist mit 1.524 Hektar das grösste der drei steirischen Weinbaugebiete - aber es sieht nicht so aus. Anders als die Südsteiermark mit ihren durchgehenden Hangzügen besteht es aus vielen kleinen Weininseln, die sich über die Südost- und Oststeiermark verteilen, meist rund um die Kegel erloschener Vulkane.
Wer von Gleisdorf nach Bad Radkersburg fährt, durchquert kilometerweit Ackerland, Wald und Kürbisfelder - und stösst dazwischen immer wieder auf einen bewachsenen Hügel mit Rebzeilen. Das ist die Region.
Es ist zugleich das wärmste steirische Gebiet. Der pannonische Einfluss aus dem Osten reicht bis hierher, was die Vulkanland-Weine trotz der steirischen Säurestruktur runder ausfallen lässt als die südsteirischen.
Was der Boden hergibt
Der Name ist keine Marketingerfindung. Die Landschaft entstand durch Vulkanismus, und das Gestein liegt bis heute unter den Reben:
- Basalt - abgekühltes Magma, dicht und hart, das aus dem Erdinneren an die Oberfläche kam
- Tuff - Asche und Auswurfmaterial explosiver Ausbrüche, verfestigt zu meist porösem Gestein
- Trachyandesit, rötlich, sowie blasige Schlackenbasalte
- feinkörnige Sedimente ehemaliger Maarseen
Rund um Klöch liegen darüber nahezu geschlossene, kalkfreie rote und braune Tone, die aus der Verwitterung von Basalt und Tuff entstanden sind. Dazwischen finden sich Ablagerungen der urzeitlichen Paratethys und quartäre Terrassenschotter.
Diese Mischung ist der Grund für die Würze, die den Vulkanland-Weinen nachgesagt wird. Sie ist keine Aromabeschreibung, sondern der Unterschied zu den mergeligen Sandböden der Südsteiermark.
Die Sorten
Weisswein dominiert deutlich. Die Flächenverteilung nach Angaben von Wein Steiermark:
| Sorte | Fläche |
|---|---|
| Welschriesling | 310 ha |
| Weissburgunder | 239 ha |
| Sauvignon Blanc | 108 ha |
| Morillon (Chardonnay) | 92 ha |
| Zweigelt | rund 77 ha |
| Gelber Muskateller | 66 ha |
Die Spezialität der Region ist aber eine Sorte, die in dieser Tabelle gar nicht oben steht: der Traminer. Rund um Klöch ergibt er Weine mit ausgeprägtem Rosenbukett, milder Säure und viel Körper - der "Klöcher Traminer" ist der bekannteste Wein des Gebiets und in Österreich sonst kaum in dieser Konzentration zu finden.
Vulkanland Steiermark DAC seit dem Jahrgang 2018
Seit dem Jahrgang 2018 ist die Region ein eigenes DAC-Gebiet. Die DAC-Verordnung lässt acht Weissweinsorten und deren Cuvées zu: Welschriesling, Weissburgunder, Morillon, Grauburgunder, Riesling, Muskateller, Sauvignon Blanc und Traminer.
Die Herkunftspyramide hat drei Stufen - Gebietswein, Ortswein, Riedenwein - und einige Vorgaben, die es sonst in Österreich nicht gibt:
- Handlese ist Pflicht, und zwar auf allen Stufen. Das ist das Alleinstellungsmerkmal der drei steirischen DAC-Gebiete: Kein anderes DAC in Österreich schreibt das vor.
- Der Restzucker liegt bei maximal 4,0 Gramm je Liter. Bei Riesling und Traminer muss die Bezeichnung "trocken" auf dem Etikett stehen.
- Die staatliche Prüfnummer darf frühestens am 15. Jänner beantragt werden, beim Welschriesling schon ab 1. Dezember.
- Gebietsweine kommen frühestens am 1. März in den Verkauf, Orts- und Riedenweine erst ab 1. Mai des Folgejahres.
- Abgefüllt werden muss im Weinbaugebiet Steiermark.
Wie das DAC-System insgesamt funktioniert, steht im Überblick zum österreichischen Herkunftssystem.
Die neun Ortsweingemeinden
Auf der Ortswein-Stufe sind neun Herkünfte zugelassen. Jede hat eigene Leitsorten, die sich aus ihrer Geologie ergeben:
- Klöch - Traminer und Sauvignon Blanc, auf rotem Basalt- und Tuffverwitterungston
- Straden - Rieden Buchberg und Klausen
- Kapfenstein - Rieden An der Kapelle, Hinteregg, Rosenleiten
- Riegersburg - Rieden Brunnenfeld, Festungsmauer, Turnierplatz
- St. Anna am Aigen
- St. Peter
- Tieschen
- Gleichenberg
- Oststeiermark
Der Ortswein ist im steirischen System die interessanteste Stufe, weil er die Unterschiede zwischen den Vulkankegeln greifbar macht. Ein Sauvignon Blanc aus Klöch schmeckt anders als einer aus Straden, obwohl beide Orte keine 20 Kilometer auseinanderliegen.
Die Betriebe
Über 70 Betriebe haben sich unter dem Dach "Winzer Vulkanland" zusammengeschlossen. International bekannt sind vor allem drei Namen: Neumeister in Straden, Frauwallner ebenfalls in Straden und Winkler-Hermaden in Kapfenstein.
Das Weingut Winkler-Hermaden arbeitet biologisch und sitzt auf dem Kapfensteiner Kogel, einem der markantesten Vulkankegel der Region. Frauwallner gehört zu den steirischen Terroir- und Klassikweingütern, deren Lagenklassifikation auch im Vulkanland gilt.
Der Rest der Region sieht anders aus als diese Spitze: Viele Betriebe bewirtschaften ihre Reben im Nebenerwerb und verkaufen fast ausschliesslich direkt über den eigenen Buschenschank. Das prägt die Weinkultur stärker als jedes Marketingkonzept - hier wird getrunken, wo der Wein wächst.
Höhenlagen bis 650 Meter
Im oststeirischen Teil rund um Hartberg liegen Weingärten auf bis zu 650 Metern Seehöhe. Das gehört zu den höchsten Weinbaulagen Österreichs. In Verbindung mit den kühlen Nächten ergibt das Weine mit auffällig klarer Säure - ein Gegengewicht zur Wärme der Region.
Für den Weinbau im Klimawandel ist das nicht unwichtig: Wo heute noch Höhengrenze ist, wird morgen möglicherweise Kernzone sein.
Besuch und Preise
Vier Weinwanderwege durchziehen die Vulkankegel, dazu kommt die Dichte an Buschenschanken. Die Region liegt rund 60 bis 90 Autominuten von Graz und lässt sich gut mit dem Thermenangebot der Südoststeiermark verbinden.
Preislich ist das Vulkanland eine der günstigsten Qualitätsregionen Österreichs. Gebietsweine beginnen bei rund 8 bis 12 Euro, Ortsweine liegen meist zwischen 12 und 20 Euro, Riedenweine der Spitzenbetriebe zwischen 25 und 45 Euro. Beim Klöcher Traminer lohnt es sich, auf die Restsüsse zu achten - die DAC-Variante ist trocken, viele traditionelle Abfüllungen sind es nicht.
FAQ - Häufige Fragen zum Vulkanland Steiermark
Wie gross ist das Weinbaugebiet Vulkanland Steiermark?
1.524 Hektar - damit ist es flächenmässig das grösste der drei steirischen Gebiete, verteilt auf viele kleine Weininseln in der Süd- und Oststeiermark.
Seit wann gibt es Vulkanland Steiermark DAC?
Seit dem Jahrgang 2018. Gemeinsam mit Südsteiermark und Weststeiermark wurde damals das steirische DAC-System eingeführt.
Welche Rebsorten sind im Vulkanland Steiermark DAC zugelassen?
Welschriesling, Weissburgunder, Morillon, Grauburgunder, Riesling, Muskateller, Sauvignon Blanc und Traminer sowie Cuvées daraus. Flächenmässig führt Welschriesling mit 310 Hektar.
Was ist der Klöcher Traminer?
Die Spezialität der Gemeinde Klöch: ein hocharomatischer Traminer mit deutlichem Rosenbukett auf kalkfreien roten Verwitterungstonen aus Basalt und Tuff. Als DAC-Ortswein muss er trocken ausgebaut sein.
Warum ist im Vulkanland Handlese vorgeschrieben?
Weil die DAC-Verordnungen aller drei steirischen Gebiete das verlangen. Sie sind damit die einzigen DAC-Gebiete Österreichs mit verpflichtender Handlese auf allen Qualitätsstufen.
Welche Orte dürfen Ortswein-Bezeichnung führen?
Klöch, Straden, St. Peter, Tieschen, St. Anna, Kapfenstein, Riegersburg, Gleichenberg und Oststeiermark.
Wann kommen die Weine in den Verkauf?
Gebietsweine frühestens am 1. März, Orts- und Riedenweine erst ab 1. Mai des auf die Ernte folgenden Jahres.
Welche Winzer sind im Vulkanland bekannt?
Neumeister und Frauwallner in Straden sowie Winkler-Hermaden in Kapfenstein. Insgesamt gehören über 70 Betriebe der Gruppe "Winzer Vulkanland" an.


